Alumni starten mit KI-Erfolgsrezept durch

19. Februar 2025

Ralf Gulde und Marc Tuscher leben ihren Traum. Die beiden Alumni der Universität Stuttgart mischen die Industrie mit ihrem Start-up sereact ordentlich auf. Im Interview verrät Co-Founder Ralf Gulde, warum ihre Idee der Gamechanger ist, auf den die Robotik-Welt gewartet hat.
[Bild: sereact GmbH]

Wie sind Sie dort hingekommen, wo Sie heute stehen?

Ralf Gulde (RG): Als ich zehn war habe ich von meinem Dad ein Lego-Mindstorms-Kit bekommen, damit konnte man Roboter bauen und programmieren. Das hat meine Passion für Robotik entzündet. Marc (Tuscher), Mitbegründer von sereact, und ich kennen uns seit Schultagen und haben schon damals Engineering-Projekte zusammen umgesetzt. Nach der Schule war dann klar, ich möchte Ingenieur werden und habe mich dann für ein Mechatronik-Studium an der Universität Stuttgart entschieden, Marc studierte Informatik. Wir haben einige Vorlesungen über Software und Künstliche Intelligenz zusammen besucht, das hat einfach sehr gut gepasst.

Nach dem Master promovierten wir beide am Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW). Wir hatten so viele Freiheiten am Institut, das hat es uns möglich gemacht, Dinge zu hinterfragen, zum Beispiel wie KI-Modelle überhaupt trainiert werden. Wir haben schnell gemerkt, so etwas richtig Cooles auf dem Robotik-Markt gibt es dafür nicht – also haben wir einfach etwas Neues gebaut und 2021 sereact gegründet.

Die beiden Gründer Ralf Gulde (links) und Marc Tuscher (rechts) in einer Lagehalle.
Die beiden Alumni Ralf Gulde (l.) und Marc Tuscher (r.) mischen heute als Gründer der sereact GmbH mit KI-gestützter Robotik in der Industrie mit.

Welche coole Lösung bietet sereact?

RG: Momentan setzt man in der industriellen Produktion und Logistik auf Roboter, die ohne Sensorinformation immer wieder die gleiche Bewegung ausführen. Doch sobald etwas nicht am richtigen Platz ist, bricht die gesamte Applikation zusammen.

Wir haben ein KI-Model entwickelt, wodurch Roboter situationsbedingt ohne spezifisches Training agieren können. Ganz einfach ausgedrückt: Unsere generalisierende KI-Technologie macht aus einem dummen Roboter ein maximal effektives Produktivitäts-Tool. Damit können wir, was andere nicht können: Dem Kunden einfach einen sereact-Roboter hinstellen und innerhalb von einer Stunde kann er Teile picken, egal in welche Form oder von welcher Oberfläche. Mit unserer Technologie haben wir ein großes Problem lösen können und bereits viele Kunden überzeugt. Sereact-Roboter sind zum Beispiel bei der BMW Group oder Mercedes-Benz im Einsatz.

Embodied AI für Robotik

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Was hat Ihnen bei der Gründung besonders geholfen?

RG: Ich hatte das Gefühl, an der Universität Stuttgart bin ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es gibt hier die Technologietransfer Initiative, die TTI GmbH, die uns geholfen hat, das EXIST-Gründerstipendium zu beantragen. Auch die Innovationskultur am Institut hat uns beflügelt und das gesamte ISW-Team hat für uns einfach den Unterschied gemacht. In den ersten zwei Jahren waren unsere Kundenaufträge noch nicht so üppig, da war es praktisch die Infrastruktur am Institut nutzen zu können. Wir hatten einen Roboter, ein Labor und ein Büro, einfach alles war da.

Erfinderisch sein gehört auch dazu. Marc und ich haben das Unternehmen sehr schwäbisch gegründet. Wir sind durch Stuttgart gefahren und haben ausgediente Gamer-Grafikkarten über ebay kleinanzeigen gekauft, um damit Server zu bauen. Wenn man etwas lösen will, dann trägt einen diese Idee sehr weit.

Was motiviert Sie weiterzumachen, wenn es mal nicht so gut läuft?

RG: Ein Start-up gründen ist kein Spaziergang. Man hat sehr schnell Verantwortung für viele Leute und ihre Jobs, das heißt, man ist natürlich gut daran, erfolgreich zu sein. Was uns antreibt ist, einerseits besser zu sein als der Wettbewerber. Andererseits wollen wir zeigen, dass Technologie Made in Germany viel besser sein kann als alles andere, was wir auf der Welt bisher gesehen haben.

Sie haben kürzlich ein Investment von 25 Millionen eingeworben. Welche Ziele wollen Sie damit verwirklichen?

RG: Wir sollen unsere Robotik-Plattform erweitern und neben klassischen Knickarm-Robotern auch mobile und humanoide Systeme auf den Weg bringen. Wir wollen unsere Server aufrüsten, um KI-Lösungen für noch komplexere Aufgaben über die Logistik und Fertigung hinaus zu entwickeln. Und wir wollen einen Standort in den USA aufbauen, um unsere Technologie auch dort auf dem Markt auszurollen.

Gulde und Tuscher starteten mit ausgedienten Grafikkarten von ebay kleinanzeigen, heute sind sie Vorreiter auf dem Gebiet der Embodied AI für Robotik.

Welchen Tipp möchten Sie Gründer*innen mit auf den Weg geben?

RG: Mutig sein! Das ist das Allerwichtigste. Wir haben an der Universität Stuttgart ein Ökosystem, das Start-ups vom ersten Schritt an unterstützt und Gründer*innen einen Zugang zum Markt bereiten kann. Gerade in diesen Zeiten, in der die Industrie schwächelt, kann es auch eine tolle Möglichkeit sein, einfach zu gründen, ehe man versucht sich ewig bei Bosch, Mercedes und Co. zu bewerben.

Man ist jung, man kann nur gewinnen und es einfach wagen. Für mich war es die beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe.

Gründen an der Universität Stuttgart
Das Transfercenter TRACES ist die zentrale Anlaufstelle der Universität Stuttgart für Transfer. Gemeinsam mit dem Institut für Entrepreneurship und Innovationsforschung (ENI), dem Dezernat 1 – Forschung und Transfer und der Technologie-Transfer-Initiative GmbH (TTI) unterstützt das TRACES Gründungsvorhaben von Studierenden und Mitarbeitenden. Es initiiert und fördert Partnerschaften und Kooperationen zwischen der Universität und externen Akteur*innen (Unternehmen, Gesellschaft, Politik/Verwaltung) sowie ko-kreativen Forschungs- und Wissenstransfer.
Das ENI bietet dazu eine Vielzahl an Lehrveranstaltungen, während das TRACES und die TTI (Technologie-Transfer-Initiative GmbH) Einzelpersonen und Teams z.B. durch Gründungscoaching oder bei Anträgen für Förderprogramme unterstützen. Das Dezernat 1 – Forschung und Transfer berät bei Fragen u.a. zu Schutzrechten.

Dieses Bild zeigt Jacqueline Gehrke

Jacqueline Gehrke

 

Onlineredakteurin

 

Hochschulkommunikation

Keplerstraße 7, 70174 Stuttgart

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